Charakter, der die Prüfung besteht

Derek Prince
Published: 2021
Last Updated: Oktober 2026
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Ausdauer formt den Charakter in schwierigen Zeiten und hilft den Gläubigen, treu zu bleiben, wenn Gesetzlosigkeit und Untreue zunehmen. Die Heilige Schrift stellt das christliche Leben als einen langen Wettlauf dar, der Kraft erfordert, um mit Freude und Treue in enger Gemeinschaft durchzuhalten.
Für die meisten von uns werden die kommenden Zeiten unser Ausharren auf die Probe stellen. Sie werden nicht leicht sein. Ich glaube wirklich, dass die Herausforderung, die vor uns liegt, eine Prüfung unseres Charakters und unserer Treue ist. Wenn Sie und ich diese Prüfung bestehen, werden wir daraus hervorgehen wie Gold, das im Feuer geläutert wurde.
In diesem Brief möchte ich mich auf einen einzelnen Begriff konzentrieren: Ausharren. Das ist weder ein populäres noch ein leicht verständliches Wort. Dennoch glaube ich, dass wir in einer Zeit leben, in der es immer wichtiger wird, zu verstehen, was es bedeutet, auszuharren.
Eine notwendige Eigenschaft
Die Bedeutung einiger englischer Wörter in der King-James-Bibel (KJV) hat sich in den Jahrhunderten seit ihrer ersten Übersetzung verändert. Wo die KJV das Wort patience verwendet, würden wir heute im Englischen endurance sagen, also Ausharren. Für das, was wir heute unter patience, also Geduld, verstehen, verwendet die KJV das Wort longsuffering, also Langmut.
Geduld (oder Langmut) bedeutet unter anderem, irritierende, schwierige Personen zu ertragen oder Situationen und Umstände zu meistern, ohne die Nerven zu verlieren; also Haltung zu bewahren und nicht auszurasten. Diese Geduld (Langmut) stellt eine sehr kostbare christliche Tugend dar. Ich bin mir wohl bewusst, dass ich selber mehr davon nötig hätte. Ganz einfach: Wir alle müssen wissen, wie man ausharrt.
Als Einleitung möchten wir verschiedene Verse aus zwei Texten betrachten: Matthäus 24 und Markus 13. Beide Kapitel enthalten eine prophetische Sicht der Situation in der Welt unmittelbar vor der Wiederkunft Jesu, wie sie der Herr auf dem Ölberg lehrte. Vieles von dem, worüber Er sprach, sehen wir zweifellos in der gegenwärtigen Zeit in der Welt erfüllt. Es ist jedoch nicht meine Absicht, diese prophetischen Aussagen zu untersuchen, sondern ich möchte mich auf eine Eigenschaft konzentrieren, von der Jesus sagte, dass wir sie brauchen werden, um in diesen Tagen zu bestehen.
Eine klare Warnung
In unserem ersten Bibeltext, Matthäus 24,12–13, finden wir eine klare Warnung Jesu.
„… und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden …“ .
Beachten Sie hier den direkten Zusammenhang zwischen Gesetzlosigkeit und Lieblosigkeit. Wenn Menschen gesetzlos werden, dann werden sie lieblos.
Wir halten Liebe oft für etwas Freies, Spontanes, was keiner Gesetze oder Disziplin bedarf. Dem ist aber nicht so, das ist nicht richtig. Liebe und Disziplin gehen Hand in Hand.
Wo immer Disziplin und Gesetz missachtet werden, erkaltet die Liebe. Das griechische Wort für Liebe in Vers 12 ist „agape“, womit letztlich die christliche Nächstenliebe gemeint ist. Jesus spricht nicht von der Liebe der Welt, die erkaltet, sondern von der Liebe der Christen, die kalt werden wird.
Inmitten dieses schrecklich kühlen Klimas – wo Gesetzlosigkeit überhandnimmt und die Liebe erkaltet – sagt Jesus: „… wer aber ausharrt bis ans Ende, dieser wird gerettet werden.“ Man muss bis zum Ende ausharren. Das Griechische sagt eigentlich: „Derjenige, der bis zum Ende ausgeharrt hat, dieser ist es, der gerettet werden wird.“
Ein düsteres Bild
In Markus 13,12–13 wird diese Warnung wiederholt:
„Und es wird der Bruder den Bruder zum Tod überliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich gegen Eltern erheben und sie zu Tode bringen. Und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.“
Das ist ein sehr düsteres Bild von Verrat und Treulosigkeit, die sich selbst in Familien breit machen werden. Außerdem werden Christen von allen Menschen gehasst werden. Aber die Ermahnung ist dieselbe: „Ausharren bis ans Ende“. Wir sollen festhalten, erdulden. Manchmal ist Festhalten alles, was Gott von uns will – und das kann zur vollzeitlichen Aufgabe werden.
Ich bin einem schwedischen Missionar begegnet, der viele Jahre in Frankreich tätig war. Er erzählte mir von einem Besuch in einem Gefängnis in der Nähe von Marseilles in Südfrankreich, wo Hugenotten (die Protestanten der damaligen Zeit in Frankreich) um ihres Glaubens willen eingesperrt gewesen waren. Viele von ihnen wurden in Kerker gesperrt und sind nie mehr lebend herausgekommen. Der Missionar berichtete mir von einem Gefangenen, der in den Stein der Kerkerwand ein einziges Wort eingraviert hatte: „résister“ – französisch für „widerstehen“. Das war die Botschaft, die ein Gläubiger für jene hinterließ, die ihm folgen würden. Widersteht!
Gebt nicht auf! Harrt aus! Ich glaube, der Herr spricht diese Worte heute auch zu uns. Ich bete, dass Gott unsere Seele durch Sein Wort stählern macht und uns ein geistliches Rückgrat verleiht, falls wir noch keines haben.
Die Frucht der Bedrängnis
Betrachten wir nun einige ganz einfache Prinzipien dafür, wie wir das Ausharren (Ausdauer, Durchhaltevermögen, Standhaftigkeit) entwickeln können.
„Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erhalten haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns aufgrund der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.“ (Röm 5,1-2)
Wir rühmen oder freuen uns darin, was die Zukunft für uns bereithält. Aber Paulus geht noch weiter und sagt, wir freuen uns nicht bloß im Licht dessen, was die Zukunft bringt, sondern wir freuen uns auch darin, was die Gegenwart uns bietet, obwohl die Gegenwart uns mit ganz anderem konfrontiert:
„Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, dass die Bedrängnis Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung.“ (Röm 5,3-4)
Während in Vers 3 das Wort rühmen verwendet wird, bedeutet das Wort im Griechischen auch sich freuen oder jubeln. Warum sollten wir uns in der Bedrängnis freuen? Wegen dessen, was die Bedrängnis bewirkt.
In der New American Standard-Übersetzung heißt es: „Bedrängnis führt zu Ausdauer; und Ausdauer zu bewährtem Charakter; und bewährter Charakter zu Hoffnung.“ Ausdauer schafft in uns einen bewährten Charakter. Das ist der Kern der Ausdauer – der Charakter.
Wir freuen (rühmen) uns in Bedrängnis, weil nur Bedrängnis Ausharren, Durchhalten, Ausdauer hervorbringt. Und Ausharren bringt einen bewährten Charakter hervor. Ich kenne Menschen, mit denen ich enge Gemeinschaft hatte und Schwierigkeiten, Opposition, Verleumdung und Missverständnisse geteilt habe – selbst Missverständnisse zwischen mir und ihnen. Aber heute erweist sich für mich ihr Charakter als bewährt; ich weiss, ich kann ihnen vertrauen. Mitten in Verleumdung und Gesetzlosigkeit möchte ich gerne wissen, wem ich trauen kann.
Und wie steht es mit mir?
Vor allem jedoch will ich sicher sein, dass man mir vertrauen kann. Sie und ich sind uns der täglichen Einflüsse und des Druckes wohl bewusst, die uns dazu verleiten, auf Kosten anderer uns selbst zu dienen. Wäre es nicht eine schreckliche Schande und Scham für uns, wenn der Druck dazu führen würde, dass wir uns untreu oder unloyal denen gegenüber verhalten würden, mit denen wir im Leib Christi verbunden sind?
Wir wollen ins erste Kapitel des Kolosserbriefes schauen:
„Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tage an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werdet in aller Weisheit und geistlichem Verständnis, um des Herrn würdig zu wandeln zu allem Wohlgefallen, fruchtbringend in jedem guten Werk und wachsend durch die Erkenntnis Gottes, gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu allem Ausharren und ‚aller‘ Langmut, mit Freuden.“ (Kol 1,9-11)
Gott will, dass Sie erfüllt werden „mit der Erkenntnis seines Willens in aller Weisheit und geistlichem Verständnis“. Ist das nicht wunderbar? Wenn Paulus schreibt „... um des Herrn würdig zu wandeln“, sagt er damit: Wenn wir erfüllt sind mit der Erkenntnis des Willens Gottes, dann wird das unser Verhalten im Alltag beeinflussen. Es wird auch einen Einfluss darauf haben, wie wir uns in widrigen Umständen verhalten.
Es ist eine Sache, im Leiden auszuharren, es ist etwas ganz anderes im Leiden auszuharren „… in aller Langmut mit Freuden.“ Dazu braucht es Durchhaltevermögen und Kraft. Geduld und Ausharren sind Zeichen von Stärke und nicht Zeichen von Schwäche.
Es ist ein Marathon
Betrachten wir nun Hebräer 12,1:
„Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die ‚uns so‘ leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf.“ (Hebr 12,1)
Hier vergleicht Paulus, der Autor der Hebräerbriefes, das Leben mit einem Rennen, das es zu laufen gilt. Am Ziel steht eine Menge Zuschauer, die darauf warten zu erfahren, wer der Gewinner ist. Die Zuschauer sind alle Heiligen, die ihren Lauf bereits vollendet haben. Sie warten, um uns von den „Zuschauertribünen“ des Himmels aus zu applaudieren.
Wenn er davon spricht, wir sollten „jede Bürde“ ablegen, müssen wir an so ein Wettrennen denken. Der Wettläufer leert seine Taschen und trägt möglichst bequeme Bekleidung. Da wird kein unnötiges Gewicht mitgenommen. Es gibt Dinge, die sind nicht Sünde, aber Bürden, die uns beschweren und zurückhalten. Sie kosten Kraft und verführen Sie, ihnen zum falschen Zeitpunkt Aufmerksamkeit zu schenken und unnötig Zeit mit ihnen zu vergeuden.
Denken Sie daran, es geht nicht um einen Sprint, sondern um einen Dauerlauf, einen Marathon. Dazu benötigen Sie Ausharren und Durchhaltevermögen. Manche Christen starten ihr Glaubensleben, als ob es ein Spurt wäre. Kurze Zeit später sind sie neben der Rennbahn und müssen verschnaufen. Sie sind schon „am Ende“ und haben doch das Rennen noch kaum begonnen.
„Ferner sah ich unter der Sonne, dass nicht die Schnellen den Lauf ‚gewinnen‘ und nicht die Helden den Krieg ...“ (Pred 9,11)
Nicht Schnelligkeit oder Kraft machen es aus, sondern Ausharren zählt.
Gemeinsam Charakter entwickeln
Eine der bedeutsamsten Prüfungen, die tatsächlich Ihren Charakter durchleuchten, ist die Prüfung der Beziehungen in der engen, persönlichen Gemeinschaft, z. B. in den kleinen wöchentlichen Hausversammlungen. Hier trifft man sich mit denselben Leuten und teilt sein Leben miteinander. Nach einiger Zeit wird es sich auf unbequeme, unangenehme Art zeigen, dass da noch Lebensgebiete sind, mit denen man sich noch nie ernsthaft auseinandergesetzt hat. Sie werden feststellen, wenn man keine nahe, keine persönliche Gemeinschaft pflegt, dann kann man diese Dinge überdecken. Aber wenn man regelmäßig einer so engen Gemeinschaft ausgesetzt ist, dann muss man entweder gehen oder sein Leben in Ordnung bringen.
Mein Freund Bob Mumford sagte einmal: „Angenommen, es gibt zehn Gebiete in deinem Leben, die verändert werden müssen. Mit sechs davon wirst du dich vielleicht selber auseinandersetzen. Aber für die verbleibenden vier brauchst du die Hilfe von Geschwistern, die den Finger darauf legen.“ Ich denke, das ist ein guter Mittelwert.
Wenn ich mich nicht andern aussetze, kann ich mir leicht etwas vormachen, was meinen Charakter betrifft. Aber verbindliche Gemeinschaft gibt mir diese Gelegenheit zum Selbstbetrug nicht. Jemand hat einmal gesagt: „Gemeinschaft bedeutet, das Dach abdecken und die Wände abreißen“. Es macht uns vielleicht nicht so viel aus, das Dach abzudecken, Gott sieht uns ja auch durch das Dach. Aber die Wände öffnen und für andere transparent werden?
Es gibt keinen größeren Test für unseren christlichen Charakter als enge Gemeinschaft.
In meinem nächsten Brief werden wir dieses Thema weiter vertiefen. Denken wir fürs Erste über die Bibelstellen nach, die wir betrachtet haben, und bitten wir den Herrn, uns zu helfen, einen Charakter zu entwickeln, der ausharrt. Nehmen wir uns zum Abschluss dieses Briefes doch gemeinsam einen Moment Zeit, um diese Bitte vor Jesus zu bringen.
Prayer Response
Herr, ich möchte Charakter in meinem Leben entwickeln. Da dies ein langer Prozess sein kann, erkenne ich, dass es Ausdauer erfordert, ihn zu vollenden. Bitte hilf mir, Herr. Schenke mir Deine Gnade und Stärke, um diesen Prozess abzuschließen. Amen.

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