Der Geist der Wahrheit

von Derek Prince
*First Published: 1971
*Last Updated: Januar 2026
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„… und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“ (Joh. 14,16-17)
Als Jesus seinen Jüngern versprach, dass er seinen Vater bitten würde, ihnen einen göttlichen Helfer zu schicken, gab er diesem einen besonderen Namen: „Den Geist der Wahrheit“. Gleichzeitig warnte er sie, dass die Welt diesen Helfer nicht empfangen könne.
Die Schrift gibt uns zwei Gründe dafür. Erstens: Seitdem die Menschen sich in Rebellion von Gott abgewendet haben, lehnen sie die Wahrheit ab, die ihre ungerechten Taten ans Licht bringen würde. Sie „… halten die Wahrheit durch Ungerechtigkeit nieder.“ (Röm. 1,18)
Zweitens: Rebellion gegen Gott hat die Menschheit der Herrschaft durch den Gott dieses Zeitalters ausgesetzt, dem „… Teufel und Satan, der den ganzen Erdkreis verführt, …“ (Offb. 12,9)
Verführung ist die Hauptwaffe, die der Teufel benützt, um die Menschheit unter seiner Kontrolle zu haben. Wenn er seiner Verführungskünste erst einmal beraubt ist, kann er niemandem mehr etwas bieten außer einem Platz zusammen mit ihm im ewigen Feuersee!
Im Laufe vieler Jahrhunderte ist die menschliche Philosophie nie imstande gewesen, eine zufriedenstellende Definition der „Wahrheit“ zu entwickeln. Die Bibel dagegen hat eine dreifache Antwort: Als erstes sagte Jesus: „Ich bin die Wahrheit.“ (Joh. 14,6) Dann sagte er im Gebet zum Vater: „Dein Wort ist Wahrheit.“ (Joh. 17,17) Und drittens sagt uns Johannes: „Der (Heilige) Geist ist die Wahrheit.“ (1. Joh. 5,6)
Im geistlichen Bereich gibt es demnach drei Koordinaten der Wahrheit: Jesus, die Schrift und der Heilige Geist. Wenn diese drei übereinstimmen, wissen wir, dass wir bei der Wahrheit angelangt sind – der absoluten Wahrheit. Es ist jedoch wichtig, dass wir alle drei Koordinaten überprüfen, bevor wir eine Schlussfolgerung ziehen. Wenn es um geistliche Dinge geht, müssen wir uns drei Fragen stellen:
- Ist Jesus so dargestellt, wie Er wirklich ist?
- Stimmt es mit der Schrift überein?
- Wird es durch den Heiligen Geist bezeugt?
Historisch gesehen wären der Kirche viele Irrtümer und Täuschungen erspart geblieben, wenn sie immer alle drei Koordinaten überprüft hätte. Es genügt nicht, wenn ein Lehrer Jesus als Vorbild einer perfekten Moral darstellt. Oder wenn ein Pastor seiner Gemeinde eine Menge Bibelstellen an den Kopf wirft. Oder wenn ein Evangelist seinem Publikum mit einer eindrucksvollen Demonstration des Übernatürlichen imponiert. Bevor wir etwas, das man uns als Wahrheit präsentiert, als solche annehmen können, müssen sich alle drei Koordinaten überschneiden: Jesus, die Schrift und der Heilige Geist.
Bei dieser dreifachen Präsentation der Wahrheit ist es die charakteristische Aufgabe des Heiligen Geistes, Zeugnis abzulegen.
„Und der Geist ist es, der dies bezeugt, …“ (1. Joh. 5,6)
Der Heilige Geist bezeugt Jesus als Gottes ewigen Sohn, der sein Blut am Kreuz vergossen hat als unser vollkommen ausreichendes Sündopfer. Um es in den Worten von Charles Wesley auszudrücken: „Der Geist ist für das Blut verantwortlich und bezeugt mir, dass ich von Gott geboren bin.“ Der Heilige Geist bezeugt also die Wahrheit und die Autorität der Schrift, wie Paulus an die Thessalonicher schrieb:
„… denn unser Evangelium erging an euch nicht im Wort allein, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit; …“ (1. Thess. 1,5)
Hananias und Saphira
Zwischen dem Heiligen Geist, dem Geist der Wahrheit und Satan, „der ein Lügner ist und der Vater derselben“ (Joh. 8,44) gibt es keinen Kompromiss. Das wurde in der Urgemeinde auf dramatische Weise demonstriert, als Hananias und Saphira eine Lüge über das Geld erzählten, das sie der Gemeinde geopfert hatten. Sie behaupteten, den vollen Betrag gespendet zu haben, den sie beim Verkauf ihres Grundstücks erzielt hatten, obwohl sie in Wirklichkeit einen Teil davon zurückbehalten hatten.
Der Geist der Wahrheit in Petrus ließ sich jedoch nicht täuschen. Er klagte Hananias an, nicht nur Menschen belogen zu haben, sondern auch den Heiligen Geist selbst – ausgerechnet ihn, der der Geist der Wahrheit ist:
„Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseite geschafft hast? Blieb es nicht dein, wenn es blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner Verfügung? Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott. Als aber Hananias diese Worte hörte, fi el er hin und verschied. Und es kam große Furcht über alle, die es hörten.“ (Apg. 5,3-5)
Drei Stunden später kam Saphira herein und wiederholte die gleiche Lüge. Wie ihr Mann bezahlte auch sie mit ihrem Leben dafür.
Wenn man es richtig definiert, haben sich Hananias und Saphira der Sünde der Heuchelei schuldig gemacht – religiöser Verstellung. Sie gaben vor, großzügiger und dem Herrn mehr hingegeben zu sein, als sie es wirklich waren. Seine stärksten Worte der Verurteilung behielt sich Jesus für diese Sünde unter den geistlichen Leitern seiner Zeit vor. In Matthäus 23 sagte er sieben Mal zu ihnen: „Wehe euch, … ihr Heuchler!“ (Vers 13ff).
Was ist Heuchelei?
Die englischen Wörter „hypocrite“ und „hypocrisy“ lassen sich unmittelbar von dem griechischen Wort „hupokrites“ ableiten, was „Schauspieler“ bedeutet. Das ist die wesentliche Bedeutung des Wortes „Heuchelei“: Eine religiöse Schau „abziehen“. Es gibt wohl keine Sünde, die weiter verbreitet ist unter religiösen Menschen als Heuchelei. Um es noch deutlicher auszudrücken: Einige Religionen machen sie fast zu einer unerlässlichen Bedingung der Religionsausübung.
Wenn Menschen ein religiöses Gebäude betreten, verändert sich ihre ganze Verhaltensweise. Sie verhalten sich nicht mehr natürlich, frei und offen. Sie machen den Eindruck, als seien sie von einer Art religiösen „Krampf“ ergriffen worden. Sie halten es für nötig, eine religiöse Maske anzulegen. Verschiedene Religionsarten mögen zwar unterschiedliche Masken für notwendig ansehen, aber die meisten von ihnen lassen es nicht zu, dass Menschen ihr wahres „Ich“ zeigen.
Wenn der Prediger gewisse Sünden verurteilt, reagieren diese Menschen mit einem pflichtgemäßen „Amen!“. Aber außerhalb der Kirche begehen sie genau diese Sünden ohne jegliche Gewissensbisse. Wenn sie laut beten, benützen sie eine besondere Tonart und oft auch ein ganz spezielles Vokabular. Sie machen sich keinerlei Gedanken darüber, wie ein „menschlicher“ Vater reagieren würde, wenn sein Kind ihn mit einer derart gekünstelten Ausdrucksweise anreden oder ihm gegenüber solch eine unnatürliche Verhaltensweise an den Tag legen würde, nur um ihm zu imponieren.
Der Gott der Bibel verschwendet seine Zeit nicht mit Heuchlern. Das kommt ganz deutlich in der Geschichte Hiobs zum Ausdruck. Die drei Freunde Hiobs überfielen ihn mit einem Schwall von leeren, religiösen Phrasen. Sie sagten wortwörtlich: „Gott segnet die Gerechten immer und zu jeder Zeit, sie müssen niemals ungerechtfertigt leiden.“ Andrerseits „bestraft Gott immer die Bösen, nichts im Leben gelingt ihnen.“ Aber die Geschichte zeigt uns, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Es ist nur religiöses Geschwätz!
Hiob dagegen war völlig aufrichtig. Er sagte ganz offen: „Gott behandelt mich nicht gerecht. Ich habe nichts getan, um all das verdient zu haben. Aber selbst wenn er mich umbringt, werde ich ihm dennoch vertrauen!“
In Hiob 42,7 offenbarte der Herr, was er von der Verhalternsweise Hiobs und seiner Freunde hielt.
„… da sprach der HERR zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und gegen deine beiden Freunde: Denn ihr habt über mich nicht Wahres geredet wie mein Knecht Hiob.“
Wir müssen uns die Frage stellen: Wie unterscheidet sich diese Verhaltensweise von der Sünde Hananias und Saphiras, die sie mit ihrem Leben bezahlten?
Der Moment der Wahrheit
Zu einem gewissen Zeitpunkt in seiner Laufbahn hatte sich König David zweier schrecklicher Sünden schuldig gemacht. Zuerst beging er Ehebruch mit Batseba, der Ehefrau seines Nachbarn Uria. Dann ordnete er die Ermordung Urias an, um seine Sünde zu verbergen.
Zunächst sah es so aus, als ob David ungeschoren davon kam. Er betete den Herrn an wie zuvor und kam weiterhin seinen Verpflichtungen als Herrscher nach. Er lebte nach wie vor in seinem königlichen Palast. Äußerlich hatte sich nichts verändert – bis der Bote Gottes, der Prophet Nathan, David mit seiner Sünde konfrontierte. In diesem Moment hing das ewige Schicksal Davids an einem seidenen Faden. Durch Gottes Gnade reagierte David richtig in dieser Situation. Er versuchte weder, sich zu rechtfertigen noch etwas zu verbergen. Er gab zu: „Ich habe gesündigt.“ (2. Sam. 12,1-15)
Später, in Psalm 51 bot David ein Bußgebet dar und flehte dann um Barmherzigkeit. Die Verse 7 und 8 fangen beide mit dem Wort „Siehe“ an, d.h., sie drükken die plötzliche Offenbarung einer lebenswichtigen Wahrheit aus. In Vers 7 heißt es: „Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“
David war mit etwas konfrontiert worden, was nur der Geist der Wahrheit hatte offenbaren können: Er hatte nicht nur die sündhaften Handlungen vor Augen, die er begangen hatte, sondern sah sich der schrecklichen, bösen Macht ererbter Sündhaftigkeit gegenüber, die jedem Nachkommen Adams anhaftet.
Vers 8 offenbart die einzige Grundlage, auf der Gott Befreiung anbietet von der Macht dieser Sünde, die in uns wohnt: „Siehe, du hast Lust an der Wahrheit im Innern.“
Selbst nachdem David gesündigt hatte, hatte er weiterhin die seiner Rolle als König angemessene äußere Form aufrecht erhalten. Aber nun hatte sich eine breite Kluft aufgetan zwischen seinem äußerlichen Verhalten und dem innerlichen Zustand seines Herzens. Er war zu einem Heuchler geworden – ein Schauspieler, der eine Rolle spielte, die nicht länger übereinstimmte mit dem, was er im Herzen hatte. Dafür gab es nur ein Heilmittel: Ein ehrliches Bekenntnis und eine vollständige Buße.
Von Palmsonntag bis Karfreitag
Es gibt eine Wahrheit, die sich wie eine roter Faden durch die ganze Bibel zieht: Gott wird niemals einen Kompromiss mit der Sünde eingehen. Diese Tatsache wird klar zum Ausdruck gebracht durch zwei Tage im Leben Jesu: Palmsonntag und Karfreitag.
Am Palmsonntag zog Jesus als populärer Held in Jerusalem ein – „der Prophet aus Nazareth in Galiläa.“ (Mt. 21,11)
Die ganze Stadt stand ihm offen. Er hätte seine erbitterten Feinde – die religiösen Leiter – einfach ignorieren und sich zum König erklären können. Das war genau das, wonach die Menschen sich sehnten.
Er wählte jedoch einen anderen Weg. Fünf Tage später hing er nackt am Kreuz, von jedem abgelehnt. Warum? Weil Gott niemals einen Kompromiss mit der Sünde eingehen wird und weil das Opfer Jesu am Kreuz der einzige Weg war, mit der Sünde umzugehen.
Heute sprechen viele Christen von “Erweckung“ und setzen sich im Gebet dafür ein. Sie übersehen dabei oft eine Barriere, die der Erweckung im Weg steht – nämlich die Sünde. Solange wir uns nicht mit der Sünde auseinandersetzen, kann es keine wahre Erweckung geben. Und es gibt nur eine Methode, mit der Sünde umzugehen:
„Wer seine Verbrechen zudeckt, wird keinen Erfolg haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Erbarmen finden.“ (Spr. 28,13)
Ehrlich gesagt, viele Bereiche der heutigen Gemeinde sind voll von “zugedeckter Sünde“. Hier sind einige der Sünden, die Christen gerne zu verbergen suchen:
- Mißbrauch eines Kindes – körperlich, emotional, sexuell oder eine Kombination.
- Gebrochene Ehegelübde.
- Unehrenhafter Umgang mit Finanzen.
- Abhängigkeit von Pornographie. (Ich war schokkiert, wie häufig dies unter Gemeindeleitern verbreitet ist.)
- Völlerei – ungezügelt unseren köperlichen Gelüsten nachgeben.
Gott hat eine zweifache Lösung für diese Probleme: Erstens, bekennen; zweitens, lassen. Es fällt uns meistens nicht leicht, unsere Sünden zu bekennen. Aber daran führt kein Weg vorbei:
„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“ (1. Joh. 1,9)
Gott hat sich nie dazu verpflichtet, Sünden zu vergeben, die wir nicht bereit sind zu bekennen.
„Bekennen“ allein ist jedoch nicht genug – wir müssen die Sünde auch „lassen“. Wir müssen den festen Entschluss fassen, die Sünde, die wir bekannt haben, nicht weiterhin zu begehen. Wir müssen den ausdrücklichen Rat befolgen, den Daniel dem König Nebukadnezar gab:
„… brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit.“ (Dan. 4,24)
Es gibt keinen Mitttelweg zwischen Gerechtigkeit und Sünde.
„Jede Ungerechtigkeit ist Sünde.“ (1. Joh. 5,17)
Was auch immer nicht gerecht ist, ist sündhaft. Stehen Sie einer schwierigen Entscheidung gegenüber?
Wenn dieser Brief Sie dazu veranlasst hat, Dinge in Ihrem Leben in Frage zu stellen, die Sie bislang akzeptiert haben, oder Ihnen einen Bereich aufgezeigt hat, in dem Sie ungehorsam waren, dann öffnen Sie sich dem Geist der Wahrheit! Er ist willens und bereit, Ihnen zu helfen.
Code: TL-L128-100-DEU