Wir brauchen Hoffnung!

Teaching Legacy Letter
*First Published: 2005
*Last Updated: Januar 2026
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In den Fünfzigerjahren, also relativ früh in meinem Dienst, war ich Pastor einer Gemeinde in London. Während dieser Zeit erlebten wir regelmäßig, dass Menschen gerettet, geheilt und im Heiligen Geist getauft wurden. Doch mitten in all diesen Segnungen hatte ich ein Problem mit wiederkehrenden depressiven Anfällen, die sich wie eine schwere, dunkle Wolke auf mich legten. Wenn diese Wolke über mir hing, projizierte ich diesen Druck auf Menschen, die mir nahe standen – besonders auf meine Familie.
Ich kämpfte mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung standen, dagegen an. Ich betete. Ich fastete. Ich fasste gute Vorsätze. Ich stand früh auf, um zu beten. Ich blieb lange auf, um zu beten. Ich tat alles, was mir in den Sinn kam, aber es wurde einfach nicht besser. Ja, je mehr ich betete und fastete, desto schlimmer wurde es. Als ich ans Ende meiner Weisheit gekommen war, zog eines Tages eine Redewendung aus Jesaja 61,3 meine Aufmerksamkeit auf sich: … ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes, …“
Plötzlich erkannte ich, dass ich es mit einem Geist zu tun hatte – mit einer Persönlichkeit, die mich studierte, meine Schwächen kannte und wusste, wie und wann sie mich angreifen konnte. Es hatte nichts mit mentalen oder psychologischen Bedingungen zu tun, die nur in mir selbst lagen. Dann verstand ich auch, warum der Druck schlimmer wurde, je mehr ich Gott dienen wollte: weil es Aufgabe dieses Geistes war, mich von meinem Dienst für Gott abzuhalten. Diese Persönlichkeit wusste einfach, wie und wann sie mich unter Druck setzen konnte.
Die Identität meines Feindes zu erkennen, war ein gewaltiger Schritt nach vorne. Ich durchforschte die Bibel und fand einen Vers, von dem ich glaubte, dass er mir die Lösung meines Problems bringen könnte. In Joel 3,5 heißt es:
„Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des HERRN anruft, wird errettet werden.“
Ich zog Jesaja 61,3 und Joel 3,5 zusammen und betete ein sehr spezifisches Gebet: „Gott, im Namen Jesu Christi bitte ich dich – so wie dein Wort es sagt – mich von diesem Geist der Schwermut zu befreien.“ Und als ich dieses klare biblische Gebet betete, wurde ich frei. Der Druck wurde aufgehoben.
Anschließend lernte ich, dass es zwar eine Sache ist, befreit zu sein, aber eine völlig andere, befreit zu bleiben. Gott fing an mir zu zeigen, dass es jetzt, nachdem er mich von diesem dämonischen Druck befreit hatte, meine Aufgabe war, mein Denken neu zu gestalten – eine vollkommen neue Einstellung und Denkweise zu entwickeln. Bevor ich befreit war, konnte ich das nicht tun.
Nachdem ich frei war, war es meine Verantwortung, es zu tun.
Setzen Sie Ihren Helm auf!
Während ich darum kämpfte, meine Befreiung von Depressionen aufrecht zu erhalten, wurde mir bewusst, dass der problematischste Bereich meines Lebens sicherlich der Bereich meines Denkens ist. Der Widersacher erreichte mich ständig über meine Gedanken. Ich hatte zufällig das Privileg, eine sehr hohe Bildung genossen zu haben. Ich habe entdeckt, dass der Verstand eines Menschen umso anfälliger für den Widersacher ist, je gebildeter und kultivierter er ist. Je mehr wir auf unseren Verstand setzen, desto mehr kann ihn der Widersacher auch gegen uns einsetzen.
Ich lernte, dass es an mir lag, meinem Verstand und meinen Gedanken beizubringen, dass sie meine Diener und nicht mein Herren sind. Als ich erkannte, dass ich meinen Verstand schützen muss, erinnerte ich mich daran, dass in Epheser 6,14-18 sechs Dinge genannt werden – der Gürtel der Wahrheit, der Brustpanzer der Gerechtigkeit, die Schuhe der Bereitschaft, das Evangelium des Friedens zu verkünden, der Schild des Glaubens, der Helm des Heils und das Schwert des Geistes. Sie alle werden durch die Waffe des Gebetes wirksam gemacht.
Während ich diese Liste studierte, fiel mir der Teil der Rüstung auf, der offensichtlich unseren Verstand schützen soll: der Helm des Heils. Ein Helm bedeckt den Kopf, den man normalerweise mit dem Denken in Verbindung bringt. Ich erkannte, dass mir Gott einen Schutz für mein Denken gegeben hatte.
Ich wusste, dass ich gerettet bin. Aber ich fragte mich, ob das bedeutet, dass ich den Helm des Heils automatisch habe. Oder gehört dazu noch mehr? In meiner Bibel gibt es bei Epheser 6,17 einen Querverweis zu 1. Thessalonicher 5,8, in dem es heißt:
„Wir aber, die dem Tag gehören, wollen nüchtern sein, bekleidet mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und als Helm mit der Hoffnung des Heils.“
Der Helm wird die Hoffnung des Heils genannt. Hoffnung! Ich realisierte, wie wenig ich darüber nachgedacht und mich damit beschäftigt hatte, welchen Platz die Hoffnung im Leben eines Gläubigen einnimmt. Der Heilige Geist führte mich von einer Stelle des Neuen Testaments zur anderen und zeigte mir, dass meine ganze geistliche Erfahrung unausgewogen und unvollständig ist, wenn ich kein richtiges Verständnis davon habe, welche Position die Hoffnung als Schutz meines Verstandes einnimmt.
Paulus sagt in 1. Korinther 13,13:
„Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei …“
Aus dem Zusammenhang dieses Kapitels geht klar hervor, dass diese drei die „bleibenden“ Realitäten der geistlichen Erfahrung im Leben eines Christen sind. Andere Dinge, sagt Paulus, sind vergänglich. Sie haben einen Zweck, und wenn dieser Zweck erfüllt ist, werden sie nicht mehr gebraucht. Aber er betont, dass die drei bleibenden Dinge der geistlichen Erfahrung Glaube, Hoffnung und Liebe sind.
Ich studierte weiter und lernte, dass es zwischen Glaube und Hoffnung einen biblischen Unterschied gibt. Sie sind in unterschiedlichen Bereichen der menschlichen Persönlichkeit angesiedelt. Der biblische Glaube bezieht sich auf die Gegenwart und geht vom Herzen aus. Die Hoffnung bezieht sich auf die Zukunft und geht vom Denken aus.
Das Denken eines Gläubigen ist durch den Helm der Hoffnung geschützt. Ich glaube darum, dass jeder Christ ein Optimist sein sollte. Denn ein Christ, der Pessimist ist, gibt damit im Grunde zu verstehen, dass er seinen Glauben verleugnet. Die Hoffnung sorgt dafür, dass wir das Gute zuversichtlich erwarten.
Mein Verstand, der von einem Geist der Schwermut gefangen genommen war, war nun befreit. Und Gott zeigte mir, dass mein Denken befreit war, damit ich es neu gestalten könnte. Er würde das nicht für mich tun. Das war meine Verantwortung. Ich musste eine vollkommen neue Haltung entwickeln – andere Einstellungen, andere Reaktionen, andere Denkmuster. Römer 8,28 ist nur eine von vielen Bibelstellen, die mich in der Meinung bestärken, dass jeder Gläubige ein Optimist sei sollte:
„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.“
Wenn wir Gott lieben und seinen Willen wirklich tun wollen, dann werden alle Dinge zu unserem Guten mitwirken. Und wenn alles zu unserem Guten mitwirkt, dann gibt es keinen Grund, pessimistisch zu sein. Dann ist jede Situation eine Gelegenheit, optimistisch zu sein. Der Schlüssel dazu liegt in der Schulung unseres Denkens, diese Wahrheit anzunehmen und danach zu leben.
Biblische Beweisführung
Die Hoffnung ist eines der schönsten Themen in der Bibel. Römer 4,18 berichtet uns von Abraham, dem von Gott die Geburt seines Sohnes Isaak verheißen wurde, lange nachdem er oder seine Frau physisch dazu in der Lage waren:
„… der gegen Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt hat.“
Abraham glaubte, und das hatte zur Folge, dass er hoffte. Der Glaube war zuerst da. Die Hoffung kam an zweiter Stelle – sie war ein Produkt des Glaubens. Und Hebräer 11,1 sagt es noch deutlicher:
„Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft …“
Der Glaube ist das sichere Fundament, das die Hoffnung trägt. Der Glaube weckt die Hoffnung. Beide sind legitim, aber wir müssen sie an der richtigen Stelle haben – sie sind so konzipiert, dass sie in der richtigen Beziehung funktionieren.
Ohne Hoffnung kann man einfach nicht überleben. Paulus sagt in Römer 15,13:
„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seiet in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!“
Gott ist nicht nur ein Gott des Friedens, ein Gott der Freude, ein Gott der Gerechtigkeit und ein Gott der Kraft. Er ist auch ein Gott der Hoffnung. Wenn Sie also durch den Glauben mit Freude und Friede erfüllt sind, wird daraus folgen, dass Sie voll Hoffnung sind.
Im Gegensatz dazu stellt uns Paulus in Epheser 2,12 ein Bild der Menschen vor Augen, die keine Hoffnung haben:
„Deshalb denkt daran, dass ihr … zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheißung; und ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt.“
Paulus sagt, dass die Verlorenen ohne diese drei Dinge sind: sie sind ohne Christus, ohne Gott und ohne Hoffnung. Wenn man ohne Hoffnung ist, ist man ohne Christus und ohne Gott. So wesentlich ist die Hoffnung für unsere Rettung.
In Kolosser 1,27, wo Paulus über das unergründliche Geheimnis des Evangeliums schreibt, sagt er von den Gläubigen:
„Ihnen wollte Gott zu erkennen geben, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei, und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“
Das ganze Evangelium konzentriert sich auf diese große und wunderbare Offenbarung, die vor allen Propheten und Weisen und großen Männern vergangener Generationen geheim gehalten wurde. Und das Erstaunliche dabei ist, dass dieses Geheimnis jetzt einfachen Gläubigen wie mir und Ihnen offenbart wird: dass Christus tatsächlich in uns ist, und dass Christus in uns unsere konkrete Hoffnung der Herrlichkeit ist.
Die Herrlichkeit liegt noch in der Zukunft. Ein Mensch, der Christus in sich hat, hat Hoffnung auf diese Zukunft eine herrliche, strahlende, zuversichtliche Erwartung der Ewigkeit im Himmel mit dem Allmächtigen Gott. Das haben wir, wenn wir Christus in uns haben.
In Hebräer 6,18-20 betont der Autor die enorme Grundlage, die wir für unseren Glauben an Christus haben:
„… damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, bei denen Gott unmöglich lügen kann, einen starken Trost hätten, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die vorhandene Hoffnung zu ergreifen. Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht, wohin Jesus als Vorläufer für uns hineingegangen ist, der nach der Ordnung Melchisedeks Hoherpriester in Ewigkeit geworden ist.“
Unsere Hoffnung ist ein Anker der Seele, der fest und sicher ist. Es ist ein Anker, der tatsächlich aus der Zeit in die Ewigkeit hineinreicht und sich innerhalb des Vorhangs am großen Fels der Zeiten, an Jesus Christus, unserem Hohenpriester und unserem Vorläufer, festmacht.
Ein Boot braucht einen Anker, weil es auf dem instabilen, unbeständigen Element des Wassers schwimmt. Der Anker wird vom Boot geworfen, durch das instabile Element des Wassers hindurch, auf das stabile Element des Felsens. Damit ist es fest und ist sicher. Wenn Sie Ihren Anker durch das Wasser (die Zeit) auf den Felsen (in die Ewigkeit) werfen, dann können Sie sicher sein.
Wenn man sich in seine Beziehung zu Jesus investiert, wirft man damit seinen Anker auf den Fels der Zeiten. Und alle Stürme und Orkane, die über uns hinweggehen, werden uns nie von diesem Felsen trennen. Die Art und Weise, wie man vor Anker geht, ist durch Hoffung.
Bewusstes Training
Es liegt an uns, unser Denken zur Hoffnung zu trainieren. In meinem eigenen Leben war das ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Aber es war nicht in fünf Minuten abgetan; es hat mehr als fünf Jahre gedauert. Aber alles Training, das ich investiert habe, hat sich gelohnt.
Die Befreiung wird Ihnen die Freiheit geben, das Ihre zu tun. Aber es liegt in Ihrer Verantwortung, sich diese Befreiung zu erhalten. Und für viele von uns (wenn nicht für die meisten) ist das Denken der anfälligste Punkt.
Ergreifen Sie den Helm des Heils – den Helm der Hoffnung. Setzen Sie ihn auf. Bedecken Sie Ihr Denken damit. Schützen Sie Ihre Gedanken, indem Sie diese kontrollieren und in Einklang mit dem Wort Gottes bringen. Und erfahren Sie die herrlichen Folgen.
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